Auf Seite 118f. des neuen Romans von Christian Kracht, Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten, findet sich eine kurze Reflexion auf ein Verständnis von Kunst als Forschung. Es heisst da: “Das, was die Griechen Techne nennen, also das Hervorbringen, schafft nur das Kunsthandwerk. (…) Hierin verstehen wir das Hervorbringen von Nichtanwesendem ins Anwesende.” Ich bin versucht zu schreiben: ausgerechnet bei Kracht findet man eine so schöne - gut, auch extrem knappe - Überlegung. Oder stattdessen den Wert seiner Aussage zu relativieren durch eine Anmerkung, wie: Da hat einer seinen Bruno Latour gelesen. Aber mir imponiert das wirklich.
Überhaupt ist der neue Roman Krachts ein imposanter Text. Ein Märchen ist er. Das trifft es am besten. Denn wie im Märchen geht es auch in dieser apokalyptischen Erzählung immer schnell von einem Ort zum andern und von der einen Situation in die nächste. Die Sprache ist dabei glasklar. Ein Lesevergnügen.
Nur was den Zusammenhang von Kunst und Forschung anbelangt, ist hier nichts Neues zu finden. Eine gut zeitgenössisch erzählte, originelle und schöne Geschichte - aber keine Erkennntis. Es artikuliert sich nicht das, was gerade eben, kurz zuvor, noch unartikuliert war.
Sowohl die Wahrheit eines Lebens, das dadurch gekennzeichnet ist, dass unvorhersehbar greuliche Gewalttätigkeit ständig in es hineinragt, als auch die Identifikationskraft quasi-religiöser kultureller Referenzsysteme - das ist bekannt. Nichtsdestotrotz: auch dies ist hier eindrücklich formuliert.
Mehr Kunst als Forschung ist Klage von Rainald Goetz. Wohl auch schon, weil die gesamte Haltung, die da beschrieben wird, so eine ist: des Schauens auf das Lebendige, das noch nicht gefroren ist zum Klischee. Der Nachteil hier: das ergibt eben keine Geschichte.
Sprache: ebenfalls glasklar.
admin, zuletzt bearbeitet am 30. Dezember 2008 um 17:52
Bei den Sound Studies Leuten um Holger Schulze an der UdK bestand vor allem Interesse an meinem ethnopsychoanalytischen Ansatz. Das ist sehr ungewöhnlich. Auch die gute Gesprächsatmosphäre war das. Danke und: Hut ab!
admin, zuletzt bearbeitet am 17. Dezember 2008 um 19:11
Auf Einladung von Prof. Holger Schulze halte ich am Dienstag, den 16.12., im Studiengang Sound Studies / Akustische Kommunikation an der Universität der Künste Berlin einen Vortrag darüber, wie ich an der Studie Subjekte des Tracks mithilfe von Sound-Analysen gearbeitet habe. Im Mittelpunkt des Vortrags steht die Beziehung der Sound-Analyse als methodischem Verfahren zur Methodik der Ethnopsychoanalyse.
admin, zuletzt bearbeitet am 14. Dezember 2008 um 14:22
Über die Stimmen von A Tribe Called Quest habe ich immer gerätselt - welche gehört zu wem? Erst jetzt weiss ich, wer Q-Tip ist; wie er sich anhört. So gut (außerdem auch), dass ich werben möchte für sein aktuelles Soloalbum The Renaissance. Wo ist es bislang besprochen worden? Eine Hymne las ich in der Neuen Züricher Zeitung. Daraufhin habe ich mir das Album gekauft. Bei Sound + Vision, einem sehr empfehlenswerten Musikladen in Paderborn. Und seit zwei Wochen ist dieses Album nun sehr viel bei uns zu hören. Darüber nachgedacht, was mir an dieser Musik so gut gefällt, habe ich nicht. Vermutlich ist es aber das Machen von einer zugleich sehr feinen, melodiösen und sehr reduzierten Groove-Musik - mit den Mitteln, oder: aus dem Geist des Geräuschhaften. Des Geräuschhaften unterschiedlichster Art. Manches ist so semantisch, so lesbar, dass beim Zuhören quasi ein natürliches, ein unmittelbares Einverständnis erzielt wird. Beim Liebesgewisper oder bei einem Funk-Klang und -Rhythmus. Anderes ist codierter und stellt Herausforderungen an ein entschlüsselndes Hören. Wieder anderes ist der schiere Scratch-Sound. Ein Sound-Sound. Das kommt häufig vor und gefällt mir besonders. Veröffentlicht ist das Album bei Motown / Universal.
Noch ein Tip: die jetzt erstmals veröffentlichten Folk-Songs von Arthur Russell, Aufnahmen aus den Jahren 1974-1991: Love Is Overtaking Me (Audika / Rough Trade).
admin, zuletzt bearbeitet am 3. Dezember 2008 um 11:33
Die Beschäftigung mit Pop auf die Weise, dass man sich mit regionalen Bezügen, mit dem zu einer bestimmten Zeit je Lokalen auseinandersetzt, scheint mehr und mehr zuzunehmen. Ich bekomme nicht wirklich zu fassen, warum das interessant ist; worum es geht; wohin das führen könnte. Allerdings zeigt zum Beispiel das jetzt erschienene, von Johannes Springer, Christian Steinbrink und Christian Werthschulte herausgegebene Lesebuch Echt! Pop-Protokolle aus dem Ruhrgebiet, dass dieser Fokus total produktiv sein und wunderbare, eben: Lesebücher hervorbringen kann. Hier mit Beiträgen von z. B. Rolf Lindner und einem Interview mit Christoph Biermann über seine Punk-Zeit und darüber, wie Pop und Fußball zusammen gehen kann. Wolfgang Welt ist auch dabei, und Thomas Hecken. Euro 14,90, Verlag Salon Alter Hammer.
admin, zuletzt bearbeitet am 1. Dezember 2008 um 11:18