Kunst als Forschung bei Christian Kracht
Auf Seite 118f. des neuen Romans von Christian Kracht, Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten, findet sich eine kurze Reflexion auf ein Verständnis von Kunst als Forschung. Es heisst da: “Das, was die Griechen Techne nennen, also das Hervorbringen, schafft nur das Kunsthandwerk. (…) Hierin verstehen wir das Hervorbringen von Nichtanwesendem ins Anwesende.” Ich bin versucht zu schreiben: ausgerechnet bei Kracht findet man eine so schöne - gut, auch extrem knappe - Überlegung. Oder stattdessen den Wert seiner Aussage zu relativieren durch eine Anmerkung, wie: Da hat einer seinen Bruno Latour gelesen. Aber mir imponiert das wirklich.
Überhaupt ist der neue Roman Krachts ein imposanter Text. Ein Märchen ist er. Das trifft es am besten. Denn wie im Märchen geht es auch in dieser apokalyptischen Erzählung immer schnell von einem Ort zum andern und von der einen Situation in die nächste. Die Sprache ist dabei glasklar. Ein Lesevergnügen.
Nur was den Zusammenhang von Kunst und Forschung anbelangt, ist hier nichts Neues zu finden. Eine gut zeitgenössisch erzählte, originelle und schöne Geschichte - aber keine Erkennntis. Es artikuliert sich nicht das, was gerade eben, kurz zuvor, noch unartikuliert war.
Sowohl die Wahrheit eines Lebens, das dadurch gekennzeichnet ist, dass unvorhersehbar greuliche Gewalttätigkeit ständig in es hineinragt, als auch die Identifikationskraft quasi-religiöser kultureller Referenzsysteme - das ist bekannt. Nichtsdestotrotz: auch dies ist hier eindrücklich formuliert.
Mehr Kunst als Forschung ist Klage von Rainald Goetz. Wohl auch schon, weil die gesamte Haltung, die da beschrieben wird, so eine ist: des Schauens auf das Lebendige, das noch nicht gefroren ist zum Klischee. Der Nachteil hier: das ergibt eben keine Geschichte.
Sprache: ebenfalls glasklar.
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