Entgegenkommender und stumpfer Sinn
Im Sommersemester 2009 biete ich an der Universität Basel im Fach Medienwissenschaft ein Seminar über Roland Barthes an: Lust und Last der Zeichen.
Barthes ist einer der einflussreichsten Medienwissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Er ist ein Zeichentheoretiker und wird der geisteswissenschaftlichen Strömung des Poststrukturalismus zugerechnet. Interessant ist, dass er nicht einen einzelnen Begriff vom Zeichen hat, sondern zwischen verschiedenen Formen des Bedeutens unterscheidet. So etwa indem er differenziert zwischen “entgegenkommendem” und “stumpfem” Sinn, “Genotext” und “Phänotext”, “studium” und “punctum”.
Seine theoretischen Überlegungen resultieren aus der Beschäftigung mit Gegenständen der Alltagswirklichkeit und der Kunst, insbesondere der Musik der Romantik und der Fotografie. Als besonders gelungen gilt seine Untersuchung über die “Mythen des Alltags” von 1957. Als kompliziert, aber wegweisend, ist seine Studie “Die Sprache der Mode” (1967) einzuschätzen. Irritiert hat er sein Publikum mit “Das Reich der Zeichen” (1970), einer Auseinandersetzung mit der japanischen Kultur, und mit “Die Lust am Text” (1973), in dessen Mittelpunkt nicht der Sinn, sondern tatsächlich ein Genießen des Schreibens/Lesens steht.
Wir lesen die zentralen Arbeiten von Barthes in Auszügen, arbeiten seine Begriffe heraus und verfolgen, wie sich seine Interessen und Begrifflichkeiten im Laufe der Zeit verfeinert bzw. gewandelt haben.
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