Die Jahrestagung der AG Populärkultur und Medien der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) beschäftigt sich 2012 mit Phänomenen rund um den Transfer des Wissens vom Populären. Populäre Wissenskulturen werden hierbei ebenso thematisiert wie Episteme und Praktiken wissenschaftlicher Forschungen zum Populären und mediale Repräsentationen des Populären. Neben spezifischen Erscheinungsformen des Wissens geraten insbesondere Aspekte der Tradierung des Wissens, seiner Transformation und Übersetzung sowie in der Dynamik des Wissenstransfers auftretende »Störungen«, z.B. in Form von (produktiven) Missverständnissen oder Blockaden, in den Fokus.
Das Präsentationsformat der Tagung ist die moderierte Podiumsgesprächsrunde. Ergänzt werden die Podien durch einen Nachwuchsworkshop am Samstagvormittag.
Podium I. Theorien / Praktiken
Das Podium diskutiert die Frage, wie sich in Transfers von populärkulturellem Wissen zu akademischem Wissen über Populärkultur sowie zwischen »Wissenschaft« und »Gesellschaft« Gegenstände und Weisen des Wissens wandeln. Was kann in solchen drifts (Latour) gewonnen werden, was droht verloren zu gehen? Und wie lässt sich charakterisieren, was erhalten bleibt, oder erhalten bleiben sollte? Diesen Fragen wird insbesondere anhand von (in Transferprozessen kenntlich werdenden) Differenzen bezüglich der Art und Weise, wie gewusst wird, nachgegangen: Wird ein Wissen explizit oder reflexiv produktiv? Ist es bewusst oder unbewusst? Welche Konsequenzen haben solche, auf der Ebene des Wie des Wissens angesiedelten Unterschiede für seine Handhabung?
Podium II. Übersetzung / Kommunikation
Wissenstransferprozesse sind notwendig von Übersetzungen durchzogen. Sie sind durch die Begegnung mit Fremdheit, deren Berücksichtigung, Thematisierung und Überbrückung gekennzeichnet. Das Podium behandelt verschiedene Formen und Aspekte von Transferprozessen als Übersetzungsleistungen. So lässt sich die Populärkultur selbst als von Transfers durchzogen begreifen. Die Notwendigkeit der Übersetzung äußert sich darüber hinaus in Problematiken des wissenschaftlichen Arbeitsprozesses, etwa hinsichtlich des wissenschaftlichen Status von Gegenständen des eigenen Fanseins. Als Wahrnehmung des Anderen und als Selbstreflexion bestimmt sie außerdem die Kommunikation zwischen wissenschaftlichen und anderen gesellschaftlichen Akteuren (Politik, Medien etc.), die sich mit Populärkultur beschäftigen. Wie Übersetzung dies jeweils tut, weshalb sie es tut, und wer dabei was übersetzt, fragt dieses Panel.
Podium III. Medien / Wissen
Populärkulturelles Wissen ist in hohem Maße mobil und »wandert« nicht nur von Nutzer zu Nutzer, sondern auch zwischen Medien. Vor diesem Hintergrund thematisieren die Beiträge des dritten Podiums einerseits die (inter)mediale Geformtheit und Distribution populärkulturellen Wissen und gehen u.a. der Frage nach, inwieweit populärkulturelle Praktiken und Ausdrucksformen als Archive spezieller Wissens- bestände fungieren, deren Austausch und Zirkulation zur Generierung neuer (politischer, sozialer, ästhetischer, kultureller) Formen und Potentiale des Populären beizutragen vermögen; andererseits widmet sich das Podium auch der Frage nach den Formen und Funktionen der Aneignung wissenschaftlichen Wissens über das Populäre in popjournalistischen Medien und Diskursen.
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Freitag, 13.01.2012
12:00 Empfang
Eröffnung der Tagung
13:00 Podium I: Theorie/Praktiken
Moderation: Jochen Bonz, Kulturwissenschaft, Bremen
Thomas Alkemeyer (Sportwissenschaft, Oldenburg)
Christoph Jacke (Kommunikations- und Musikwissenschaft, Paderborn) & Martin Zierold (Medienwissenschaft, Gießen)
Olaf Sanders (Pädagogik, Köln)
15:00 Kaffeepause
15:30 Podium II: Übersetzung/Kommunikation
Moderation: Thomas Schopp, Musikwissenschaft, Oldenburg
Susanne Binas-Preisendörfer (Musikwissenschaft, Oldenburg)
Matthias Harbeck (Ethnologie, Berlin)
Kaspar Maase (Empirische Kulturwissenschaft,Tübingen)
Thomas Wilke (Medien-/Kommunikationswissenschaft, Halle/Saale)
18:00 Mitgliederversammlung
Führung durch die Ausstellung im Edith-Russ-Haus
Möglichkeit zum gemeinsamen Abendessen
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Samstag, 14.01.2012
10:00-12:15 Workshop Nachwuchsforscher/innen
Panel 1: Archive, Gedächtnis, Quellen
Moderation: Jana Hartmann, Filmwissenschaft, Köln & Daniel Kulle, Medienwissenschaft, Bonn
Mareike Vennen (Kulturwissenschaft, Weimar): Medialisierungen des Lebendigen (1840-1930)
Julia Oppermann (Politikwissenschaft, Rostock): Die mediale Gegenwart der Vergangenheit: Guido Knopp und die Deutschen
Matthias Harbeck (Ethnologie, Berlin): Wissenstransfer aus dem Fantum in die Comicforschung: Risiken und Chancen
Panel 2: Popmusik und Diskurse
Moderation: Mario Anastasiadis & Götz Gumpert, Medienwissenschaft, Bonn
Felix Papenhagen (Judaistik/Ethnologie, Leipzig): Religiösität im Kontext israelischer Popularmusik
Bianca Ludewig (Ethnologie/Musikwissenschaft, Berlin): Utopie und Apokalypse in der Popmusik
Jan-Hendrik Müller (Kulturwissenschaft, Wien): Eine gewisse „unmögliche Möglichkeit“ über Musik zu sprechen – oder: Was sagt uns „Post-Dubstep“ über Sound und Popkultur
Mittagspause / Snacks
13:30 Podium III: Medien/Wissen
Moderation: Martin Butler, Amerikanistik, Oldenburg
Astrid Henning (Geschichte, Hamburg)
Daniel Šíp (Anglistik, Oldenburg)
Johannes Springer (Kulturwissenschaft, Bremen)
15:30 Abschlußdiskussion
16:00 Ende der Tagung
Veranstaltungsort: Edith-Russ-Haus für Medienkunst Katharinenstraße 23 (Ecke Peterstraße) 26121 Oldenburg