Grünpfahlgasse
Mediterrane Küche: Grünpfahl, Grünpfahlgasse 4, CH 4051 Basel.
Man wird nicht immer SO verstanden, wie man es möchte.
In einem diese Woche auf hsozkult veröffentlichten Tagungsbericht zu “Theorien des Populären” heisst es über meinen Beitrag: “JOCHEN BONZ (Bremen) betonte gleich zu Beginn seines Vortrages, der das Populäre bewusst skizzenhaft umkreiste, dass er im Unterschied zu Diederichsen Populärmusik als Beispiel und nicht etwa als Gegensatz für Populärkultur sieht. Anstatt in seinen neun Überlegungen zu einem Forschungsansatz von einer Großtheorie auszugehen, zeigte er Motive und Formen des Populären anhand von popmusikalischen Beispielen.”
Im Gegensatz zu dieser Darstellung hatte ich eigentlich vorgehabt, von einer auf soziologischer (Systemtheorie, Stäheli) und Pop-Theorie (Laing) basierenden Annahme auszugehen - das Populäre sei das, was in der partikularisierten spätmodernen Gesellschaft Verbindungen schaffe zwischen auseinanderstrebenden Teilen; in systemtheoretischer Begrifflichkeit: populäre Semantiken erzeugen Inklusion. Von Stäheli griff ich ausserdem die Idee auf, dass dies über Affekte funktioniere. Hieraus leitete sich die Fragestellung des Vortrags ab: Was heisst eigentlich “affektiv” im Zusammenhang mit Pop?
Die Beantwortung dieser Frage ging ich mit Hans-Otto Hügels Vorschlag an, das Populäre als Prozess beziehungsweise als Beziehung zu begreifen. Als Beziehungen zwischen Rezipient und Rezipiat, wie er formuliert. Zwei solcher Beziehungen zeigte ich auf, die man einfach als für Pop klassisch bezeichen muss: (1) Die Wahrnehmung des Populären im Rahmen von Subkulturen; das Beispiel war hier die Homologie von Hippie-Musik mit Vorstellungen, Werten, Praktiken der Hippies. (2) Die imaginäre Identifkation mit einem idealisierten Selbstbild; das Beispiel war hier Michael Jackson, der nicht nur Objekt solcher Bezugnahmen war, sondern diese Identifikationsform auch in sich selbst zum Ausdruck brachte.
Von Beiden unterschied ich eine dritte Beziehungsform, die unbenannt blieb beziehungsweise mit Roland Barthes auf Bezeichnungen wie “Rauheit” und “Genogesang” gebracht wurde. Und hierfür gab es dann tatsächlich einen Block mit Beispielen von Rap-Stimmen: Grand Puba, Method Man…
Und die Zusammenfassung des Vortrags fand ebenfalls in Musikform statt. Ein Track von Justice, live in den USA aufgenommen, konnte alles sagen.
Warum sage ich das an dieser Stelle (noch einmal)? Zum einen, weil ich wohl gerne verstanden werden möchte. Zum anderen, weil es mir nicht darum ging, anstatt von Theorie von Gegenständen auszugehen. Wofür ich plädiere ist, Gegenstände ernst zu nehmen und sie mit einem undogmatisch gehandhabten Begriffsinstrumentarium zu analysieren.
Ohne Begriffe, ohne Theorien verstehen wir nichts. Und ich vermute, dass die Rezensenten der Tagung meinen Vortrag wenig verstanden, weil ihnen die von mir gebrauchten Begriffe wenig sagten. Oder weil das Affektive sich schlecht sagen und verstehen lässt? (Ich erinnere hier gerne an einen Schwächeanfall Ernesto Laclaus bei der Bremer Lacan-Tagung vor ein paar Jahren. Er erlitt ihn, als er “das Reale” im Sinne Lacans zu definieren versuchte; kein Witz!)
Oder weil ich nuschelte.
Mit Johannes Springer und Thomas Dören bereite ich die Herausgabe eines Sammelbandes zum Themenfeld Natur in der Popkultur vor. Hierfür bitten wir um Vorschläge für Beiträge.
Exposé: Im Rückblick auf das erste Jahrzehnt unseres Jahrhunderts zeigen sich Charakteristika dieser Zeit, die im alltäglichen Erleben als Selbstverständlichkeiten erscheinen. Einen solchen Topos unserer Zeit bildet zweifellos »die Natur«. In enormer Massierung fanden in den vergangenen Jahren symbolische Einschreibungen in Natur von thematisch andockender Literatur, Musik, Bild-Medien und anderen sozialen und kulturellen Aktivitäten und Bewegungen statt.
So wie Vollbärte zum reflexiven Spiel mit Natürlichkeit und Männlichkeit eingesetzt wurden, improvisierende Schwarmkollektive in kanadischen Wäldern hypnotischen Free-Jazz entwickelten, “countercultural counterurbanisation” wieder drängender auf die (Forschungs-) Agenda trat, »Natur« als sonische Ressource Inflation hatte und Wandern zum Fanzine-Thema avancierte, konnte auch im Feld der Popkulturproduktion und -beobachtung ein augenfälliger Zug hin zur »Natur« festgestellt werden, wie sämtliche gesellschaftlichen Bereiche von diesem Impetus erfasst zu sein scheinen.
Exemplarisch zeigt sich dies im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften. Erklärungsmuster, die durch soziale Kategorien bestimmt sind, werden zunehmend durch »natürliche« abgelöst. So wandelten sich etwa die Vorstellungen vom Menschen von seiner Auffassung als sozialem Wesen hin dazu, das Menschsein von der Bedürfnisbefriedigung her zu denken. Der noch die 90er Jahre in vielfältigen und widersprüchlichen Erscheinungsformen bestimmende poststrukturalistische Konstruktivismus (Foucault, Derrida, Lacan, Butler) ist heute weitgehend abgelöst – zum Beispiel durch die Akteur-Netzwerk-Theorie, die Akteure tendenziell substanzialisiert und das Soziale außerdem monadisiert. Anstatt die Motivationen von Individuen über ihre Identifikation mit sozialen Konventionen zu denken, werden diese heute – unter Überspringung eines vergleichbaren Mediums von kollektiver Gültigkeit – als Affekte begriffen. Entsprechend wird Vergemeinschaftung weniger über symbolische Ordnungen und stattdessen über animalisch-instinktive Verfahren wie beispielsweise das der Schwarmbildung gedacht. Das sind nur einige Beispiele für ein Dispositiv, um Michel Foucaults Begriff für die Zeichen einer Zeit zu gebrauchen: Die Begründung individueller, körperlicher, psychischer, aber auch kollektiver, sozialer, politischer, nicht zuletzt auch ökonomischer Verhältnisse.
Unserem Buchprojekt geht es darum, zu eruieren, welche popkulturellen Schneisen in den letzten Jahren hin zur »Natur« beziehungsweise durch das Dickicht der Naturalisierung geschlagen wurden. Pop scheint uns dabei als Parameter zur Auseinandersetzung mit dem Dispositiv »Natur« in besonderem Maße geeignet zu sein. Zeichnete sich Pop in den vergangenen 50 Jahren doch beständig durch eine interessante Doppelfunktion aus. Zum einen wirkte Pop als besonders feiner Seismograph, der gesellschaftliche Entwicklungen dadurch anzeigte, dass er sie in die Zuspitzung führte und überdeutlich ausstellte. Zum anderen entwickelte die Popkultur Alternativen; man denke hier etwa an die großen Popsubkulturen wie die Mods, die Hippies und Punk und ihre gegenkulturellen Weltartikulationen und Werte. Ermutigt durch irritierende Umgangsweisen mit »Natur«, etwa in der Literatur Dietmar Daths, in der Mode Cosmic Wonders, in den Fotografien Mark Borthwicks, in den musikalisch-sozialen Experimenten im Dunstkreis des “New Weird America” oder Jewelled Antlers, in Peter Coffins Installationen, in Filmen Ben Rivers’, Kelly Reichardts, Michel Gondrys, Spike Jonzes, Charlie Kaufmans, Kassettenlabels wie Sloow Tapes oder im Multimedia-Phänomen Will Oldham vermuten wir auch bezüglich des generellen Umgang des Pop mit »Natur« eine entsprechende Doppelfunktion. Und entsprechend: einen besonders vielschichtigen, eigenwilligen und komplexen Umgang mit dem Phänomen.
Hier das ausführliche Exposé. Bitte weiterreichen. Bei Interesse bitte melden.
Gerade, heute ging mit zwei Seminaren an der Uni Bremen - einer Reflexion unserer Arbeitsergebnisse zum Thema Sound Studies und einer Vorbereitung geplanter Interviews mit Frauen aus der Hamburger Schule - für mich das Wintersemester zu Ende. Kommt jetzt der Winterschlaf?
Jetzt kommt eine Heimfahrt durch den Bürgerpark, auf dem in diesem Herbst/Winter unentbehrlich gewordenen Fahrrad, über Eis, Schnee, Eis-Schnee-Mischungen in verschiedenen Festigkeits- und Kältegraden. Auch über Asphalt. Balance.
Den Kurs “Kulturwissenschaftliche Grundlagen für die Pädagogik der Popularmusik” an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Stuttgart, beendeten die 16 Studierenden am vergangenen Samstag mit einer Klausur.
3 Klausurthemen standen zur Auswahl.
Wie thematisierte Angela McRobbie den Umgang von Mädchen und jungen Frauen mit Popmusik / Popkultur? Wie wird in jüngeren Studien an ihre Beobachtungen angeknüpft?
Beschreiben Sie, inwiefern ein spezifischer Umgang mit Sprache zur afroamerikanischen Kultur vor und im HipHop gehört. Was kennzeichnet die Kultur des HipHop außerdem?
Erläutern Sie Diedrich Diederichsens Theorie des Popmusikhörens. Definieren Sie außerdem seinen Begriff vom Zitat. Und geben Sie ein Beispiel dafür, wie er seine Theorie in eine Geschichte der Popmusik übersetzt.
Der Popmusikstudiengang an der FH Osnabrück präsentiert regelmässig am Ende des Semesters Arbeitsergebnisse in der Form eines Konzertes. Gestern fand dieses Abschlusskonzert zum Wintersemester statt. Ich war zum ersten Mal dabei und bin tief beeindruckt von den musikalischen Fähigkeiten all derjenigen, mit denen ich bisher immer nur diskutiert, lediglich intellektuell gearbeitet habe. Mein Hut geht ab.
Die Tagung Theorien des Populären der AG Populärkultur und Medien der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM), 8. und 9. Januar in Paderborn, gefiel mir gut. Nicht nur, aber nicht zuletzt wegen Herbert Schwaabs Vortrag über Stanley Cavells Theorie des klassischen Hollywoodkinos.
Die folgenden Fotos stammen von Folien meines Vortrags, in dem ich das Populäre mit Hügel als Beziehung zwischen ästhetischem Objekt und rezipierendem Subjekt bestimmt habe. Neben zwei klassischen Formen solcher Beziehungen (Subkulturen und imaginärer Identifikation) habe ich vor allem versucht, die subjektive Erfahrung des Ungekannten als eine Beziehung neuen Typs zu beschreiben.







Danke an die Veranstalter Christoph Jacke und die Paderborner Studierenden, auch an Jens Ruchatz und Martin Zierold. Danke: Diedrich Diederichsen, Kristina und Rosa Bonz, Meik Lauer, für den Hinweis auf Justice/Ed Banger.