Das Kulturelle
Aus einer Reihe eindringlicher Fallstudien an Untersuchungsgegenständen aus dem Bereich des Films, der Literatur, der Popmusik sowie in der Bezugnahme auf kulturtheoretische Konzeptionen Pierre Bourdieus und Homi Bhabhas wird in dieser Untersuchung ein Begriff von der Gegenwartskultur entfaltet.
Ausgehend von der sozialwissenschaftlichen Annahme einer Kongruenz von gesellschaftlicher Realität und subjektiver Wirklichkeitswahrnehmung beschreibe ich das Kulturelle als Raum, in dem sich diese Kongruenz in fundamentaler Weise aufgelöst hat: Nicht länger Referenzsysteme von kollektiver Gültigkeit, sondern das Dazwischen der Diskurse, die Lücke, eine Gegenwart ohne Ende, die Depression, treten als kulturelle Kennzeichen der Spätmoderne hervor. Ebenso: Das unvermittelte Erscheinen von Objekten, die Subjektivierungsprozesse als Entäußerungsvorgänge initiieren.
Nicht theorieimmanent, sondern als Aussage über die Realität wird ein kulturtheoretischer Paradigmenwechsel nachvollzogen: Die Ablösung eines Verständnisses von der Kultur als eines für die mit ihr identifizierten Subjekte lesbaren Textes durch das Paradigma der Performanz. Das u.a. in Jonzes / Kaufmans Film „Adaptation“, bei Rainald Goetz, im Musikproduktionsvorgang der Band FSK zum Ausdruck kommende Kulturelle des Dazwischen hat die Lesbarkeit der Wirklichkeit durch ihre quasi haptische Wahrnehmung als Atmosphäre ersetzt.
Das Begriffsinstrumentarium der Untersuchung ist Arbeiten von Sarah Baker und Gerry Bloustien, Roland Barthes, Gernot Böhme, Michel Chion, Diedrich Diederichsen, Jeremy Gilbert, Jacques Lacan und Matthias Waltz entnommen.
„Eine komplexe und in sich konsistente Theorie, die eine wesentliche Dimension aktueller kultureller Praxis in einer tiefen und überzeugenden Weise beschreibt.“
Matthias Waltz
„Die Begriffsarbeit, die die vorliegende Habilitationsschrift an den Schnittstellen zwischen verschiedenen Disziplinen unternimmt, vollzieht sich in differenziert ansetzenden, vorsichtig tastenden wie auch in weit ausgreifenden, aber gleichwohl umsichtig angelegten Suchbewegungen, die mit Gewinn ganz unterschiedliche Theoriekontexte durchqueren und diese punktuell, immer mit Blick auf die zu diskutierenden Phänomene, aufeinander beziehen, ineinander verschränken, miteinander kommunizieren lassen.“
Eckhard Schumacher
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