Science Studies

Spätmoderne Subjektpositionen geisteswissenschaftlicher Forschungspraxis in der Promotionsphase. Eine qualitative Wissenskulturstudie

In Form einer qualitativen empirischen Fallstudie untersucht das Forschungsvorhaben Praxen zeitgenössischen geisteswissenschaftlichen Arbeitens. Der Fokus liegt auf der Promotionsphase.

Die Forschungsperspektive der Studie kommt in der Integration zweier Forschungsansätze zustande,

(a) der empirischen Wissenschaftsforschung (Science Studies) und

(b) Untersuchungen über die spezifischen Kennzeichen spätmoderner Subjektivität.

a) Der Ansatz der empirischen Wissenschaftsforschung (Knorr Cetina, Latour), auf der Grundlage eines antiessentialistischen Verständnisses von Kultur an den Naturwissenschaften Handlungspraxen und deren strukturelle Voraussetzungen zu beschreiben, wird in der Studie auf die wissenschaftliche Praxis Promovierender in den Geisteswissenschaften übertragen. Mit der Methode der teilnehmenden Beobachtung in Doktorandengruppen und Serien reflexiver Gespräche mit Promovenden werden Daten über Handlungspraxen des Promovierens erhoben. Die Aussagen der Promovenden werden in rekonstruktiven Diskursanalysen ausgewertet hinsichtlich der in ihnen enthaltenen notwendigen Situierungen des Wissens: den Präsuppositionen der Wirklichkeitswahrnehmung, den Wissensordnungen, Referenzsystemen, die in der Form von Epistemen, Paradigmen, disziplinären Konventionen etc. in der wissenschaftlichen Praxis produktiv werden.

b) Neben der Untersuchung struktureller Voraussetzungen wissenschaftlicher Handlungspraxen bestimmt die Studie Wissenskulturen darüber hinaus auch über subjektive Voraussetzungen des Wahrnehmens und Handelns. In klassischen ethnologischen Betrachtungen – und bis hin zu Bourdieu – wird die Konstitutivität kultureller Wissensordnungen für die Subjektivität als gegeben vorausgesetzt. Zeitgenössische Untersuchungen verweisen jedoch darauf, dass in der Kultur der Spätmoderne das Verhältnis zwischen Feldern des Wissens und den Individuen, die in diesen Feldern Objekte und Motive finden, problematisch geworden ist. In Bezug auf das wissenschaftliche Arbeiten stellt sich die Frage: In welchem Verhältnis stehen Promovenden heute zu Disziplinen, Terminologien, Forschungsfragen, Untersuchungsobjekten etc.? Die Studie untersucht Modi subjektiver Bezugnahme auf Wissensgegenstände und deren strukturelle Voraussetzungen mit einem in Anlehnung an die strukturale Psychoanalyse entwickelten begrifflichen Instrumentarium als Subjektpositionen und Identifikationen.

Stand: Ablehnung der Förderung durch die DFG im Herbst 2007 - trotz positiver Gutachten.

Vollständiger Text des DFG-Antrags.

Erste Ergebnisse sind formuliert in Wissenskulturen zwischen Wissen und Nichtwissen. Beobachtungen an zwei Erscheinungsformen des Aussagebegehrens in einem interdisziplinären Doktorandenkolleg in Sandkühler, Hans Jörg (Hg.): Repräsentationen und Wissenskulturen (Philosophie und Geschichte der Wissenschaften - Studien und Quellen, Band 66), Frankfurt a. M.: Peter Lang 2007, S. 119-135.

jochen, zuletzt bearbeitet am 6. August 2009 um 08:16

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